Chronik

Was im Januar 1951 und genauer am 13. Januar 1951 in der Wohnung von „Diefenbach's Lud“ und unter rot-weissen Narrenmützen im Vereinsheim „Eintracht“, inspiriert von den närrischen Ahnen unter Alois Gerz, sozusagen geboren wurde, feiert nach fünf närrischen Jubiläen (1962, 1973, 1984, 1995, 2006) und einem grandiosen 50. Jubiläum (2001) nunmehr sein 6 x 11-jähriges Jubiläum: der Elferrat Rot-Weiss, unter dessen Flagge am 27. Januar 1951 nach Vorlagen des schreibend kongenialen Egon Grauel neben ihm selbst die unvergessenen Richard Weimerskirch, Alois Gerz, Richard („Fatze“) Wittelsberger, Ossi Enders und Ludwig Diefenbach zum ersten Mal in die rot-weisse Bütt stiegen.

 

Mit Ludwig Diefenbach, Ewald Paulus und Ossi Enders formierten sich die „Väter des Elferrates“, um die sich aus den Abteilungen der „SpVgg. Eintracht“ eine schlagkräftige Elferratstruppe scharte. Damals noch ein Häuflein von Idealisten, das mit wenig Geld, aber mit umso mehr Tatendrang ans karnevalistische Werk ging und dabei keine persönlichen Opfer scheute. Die „stattliche“ Elferratsuniform bestand aus schwarzem Anzug, dekoriert mit einer weißen Chrysantheme im Knopfloch des Revers und der rot-weissen Narrenkappe (damals für DM 2,95 zu erstehen).

 

Nach der Teilnahme am Zug im Jahre 1952 erlebten begeisterte Zuschauer und Gäste ab 1953 die rot-weissen Sitzungen mit dem ersten Präsidenten Rudi Weiß (1951-53). Ihm folgten Walter Keiner (1954-56 und 1965), Wenz Böckling (1957-64), Ossi Enders (1966), Harry Kiefer (1967-78), Dietmar Gerharz (1979-81 und 1983-88), Franz Eudenbach (1982), Frank Müller (1989-2001) und seit 2002 Michael „Speedy“ Specht.

 

Mit der steigenden Begeisterung der Gäste wuchsen natürlich im Laufe der Jahre auch die Verpflichtungen, was sich insbesondere auf den Umfang der inneren Organisation und die Qualität der Veranstaltungen unter rot-weisser Regie auswirkte. So gelang es im Jahre 1959 unter dem Einfluss des ersten ordnungsgemäß gewählten Abteilungsleiters Herbert Christmann, den Elferrat Rot-Weiss als eigenständige Abteilung in die gewachsenen Strukturen der Sportvereinigung „Eintracht“ zu integrieren. In seiner Amtszeit bis 1967 wurden darüber hinaus die Figur des Till, das Männerballett und nicht zuletzt das Rot-Weiss-Ballett geschaffen, womit dem Elferrat Rot-Weiss der Durchbruch im Höhr-Grenzhäuser und dem rheinischen Karneval auf ganzer Länge und Breite gelang.

 

Dabei assistierten die Funkenmariechen nicht mehr (wie in den Jahren 1951 bis 1962) dem Elferrat, sondern die von Herbert Christmann installierte Tanzgruppe wurde zum Aushängeschild der Abteilung und ist es bis heute geblieben. Mit Ex-Funkenmajor und Trainer bzw. Regisseur Franz Huth wuchs das Rot-Weiss-Ballett zu einer überregional bekannten Einheit, in der in den tänzerischen Hoch-Zeiten viele bekannte Namen wie Ute Gläsner (Heuser), Rita Busch (Eberz), Roswitha Geise (Klein), Renate Korbel, Inge Buzen (Zöller) sowie die Tanzmajore Karl-Heinz („Mucki“) Becker, Klaus Eberz und Hans-Werner („Gummi“) Heuser agierten.

 

Nach der ersten gemeinsamen Sitzung mit der bis heute befreundeten Karnevalsgesellschaft (KG) Grau-Blau e.V. im Jahre 1963, welche bis heute als „Seniorenkarneval“ einen festen Platz an den tollen Tagen hat, sowie vielen anderen Anlässen der Zusammenarbeit unter den Vereinen wie der Prinzenproklamation, hat sich heute durch viele Generationen eine hervorragende Basis zwischen den närrischen Fraktionen gebildet, die in vielen schönen Sitzungen in der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen Jahr für Jahr ihr Ergebnis findet.

 

Dabei nimmt die Ranzengarde Grün-Gelb mit ihrem unerschöpflich nachwachsendem Potential karnevalistischer Talente eine für den Erhalt des Brauchtums Karneval unschätzbare Stellung in Höhr-Grenzhausen ein. Das seit langem ausgezeichnete Zusammenwirken zwischen dem Elferrat Rot-Weiss und der Ranzengarde Grün-Gelb ist ein sehr wichtiger Bestandteil zur Erhaltung der karnevalistischen Tradition des Elferrates und wird von Rot Weiss seit vielen Jahren gepflegt. Aus diesem Grund ist die Mitwirkung grün-gelber Akteure im Sitzungsprogramm des Elferrates Rot-Weiss seit vielen Jahren fest installierter und nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der freundschaftlichen Verbindungen.

 

Von 1970 an war die Nachfrage nach Eintrittskarten der rot-weissen Sitzungen im altehrwürdigen Vereinshaus so groß, dass unter dem tatkräftigen und rhetorisch so brillanten Präsidenten Harry Kiefer erstmals vier erfolgreiche Sitzungen veranstaltet wurden. Ihm zur Seite standen viele engagierte Helfer und Organisatoren, von denen stellvertretend Dietmar Gerharz (Büttenredner und Sänger, später Sitzungspräsident), Dieter Wagner (Kulissenbau), Ludwig Klee (Organisation) und Adolf („Lord Lummer“) Kircher (Mädchen für alles) genannt werden sollen.

 

Musikalisch ziehen sich die Auftritte des „Heinz-Werner-Sextetts“ (Sitzungsband ab 1959), der „Roten Husaren Bad Ems“ (erstmals 1968), des Musikzuges Bendorf (bis 2004), der „Hermann-Wirz-Combo“, des Fanfarenzuges RotWeiss Linz e.V., der Band „Musikbox“ und des Fanfarencorps Staudt e.V. wie ein roter Faden durch die rot-weissen Erinnerungen.

 

Seit den späten achtziger Jahren macht sich nun eine neue Generation von Verantwortlichen, Organisatoren und Akteuren daran, den glanzvollen Ruf des Elferrates Rot-Weiss mit ihrem Engagement weiter aufrecht zu erhalten und auszubauen. Um „Chef“ Joachim Letschert, der 1999 Manfred Boehlke in der Funktion des Abteilungsleiters beerbte, bildete sich eine hochmotivierte und funktionierende Einheit junger, karnevalserprobter Leute, die selbst als Akteure und Helfer das Bild der rot-weissen Sitzungen seit vielen Jahren unverkennbar intensiv und maßgeblich prägen.

 

Hier bildet auch das Rot-Weiss-Ballett, das im Jahre 2010 die schier unglaubliche Anzahl von 25 Tänzerinnen und Tänzern aufweisen konnte, einen zentralen Bestandteil des sicher auch moderner entwickelten Sitzungsprogramms. Die heute in ähnlicher personeller Stärke von Anja Becker, Kathrin Kalter, Nadja Itzeck und Tanja Christmann trainierte und betreute Gruppe besteht aktuell aus 19 Tänzerinnen und zwei Tänzern und hat sich mit diversen Turniererfolgen seit Ende der 1990er Jahre zu einem überregional bekannten Ensemble etabliert.

 

Neben traditionellen Elementen wie der von 2004-2015 durch Jörg Kiefer und aktuell durch Rudolf Schwaderlapp verkörperten Figur des „Till“ und anderen Traditionsbüttenreden in Mundart finden sich moderne Comedy-Einlagen, dargebracht in begeisternden Zwiegesprächen (wie z.B. durch Jörg Lötschert und Roman Birnbach) sowie gekonnte Einzelredner im Stile des Kabaretts (wie z.B. Patrick Bühler/Oliver Heine, Oliver Eberz, Dieter Grieß und Marcellus Kruft) in den rot-weissen Programmen. Dies wird abgerundet durch weitere Höhepunkte wie die Quellmänner, die A-Cappella-Auftritte der Krumme Zingenöhl und natürlich auch das Männerballett, das Jahr für Jahr durch seine „grazilen“ Tanzkünste besticht.

 

Weit mehr als ein halbes Jahrhundert in der karnevalistischen Tradition verwurzelt, sind allen närrischen Fraktionen und Gästen die vielen klingenden Namen in der Entwicklung des rot-weissen Karnevals in bleibender Erinnerung. Mit vielen erfolgreichen Eigengewächsen präsentiert der Elferrat Rot-Weiss heute ein karnevalistisches Feuerwerk, was durch die vielen treuen Gäste und Zuschauer stets Bestätigung findet. Die Verantwortlichen um Sitzungspräsident Michael Specht und alle Mitstreiterinnen und Mitstreiter brauchen sich in punkto Begeisterung und Anerkennung sicher nicht vor den Programmen in den sogenannten Narrenhochburgen Köln, Düsseldorf oder Mainz zu verstecken.

 

Mit diesem Ausblick werden die Gäste sicher noch viele Jahre und Jahrzehnte nach dem Erlebnis einer rot-weissen Sitzung in der Narrhalla des Vereinshauses „Till Eulenspiegel“ in Höhr verabschiedet: die Akteure singen zusammen mit ihren Gästen, was sich alle Rot-Weissen für viele weitere schöne Stunden wünschen:

 

„ROT-WEISSE STERNE STEH'N,

WERDEN NIE UNTERGEH'N,

SOLANG ES NARREN GIBT,

AUF DIESER WUNDERSCHÖNEN WELT,

ROT-WEISSE STERNE STEH'N,

WERDEN NIE UNTERGEH'N,

SOLANGE UNS NOCH DAS LEBEN GEFÄLLT!“